• Emely Triebwasser

Sam Vance-Law - INTERVIEW

Eigentlich macht der gebürtige Kanadier Sam Vance-Law englische Musik, doch durch seine Wahlheimat Berlin hat ihn schnell die Faszination für die Neue Deutsche Welle gepackt!

Nun entschied der Künstler, mit der Unterstützung seiner Band und einigen Musikerkollegen, wie Drangsal und Max Rieger, während der Pandemie vier Coversongs aufzunehmen, welche heute in Form der EP „NDW“ veröffentlicht wurden. Ich habe mit dem Musiker über die größten Herausforderungen bei den Aufnahmen, seine musikalische Laufbahn und seine Rolle auf dem nächsten Casper Album gesprochen. Enjoy!


Hey Sam! Wie geht es dir?


Mir geht’s gut! Ich komme gerade vom Gesangsunterricht, das hat Spaß gemacht!


Das hört sich gut an! Cool, dass du Gesangsunterricht nimmst, ich hab das Gefühl, das machen gar nicht so viele Sänger*innen.


Ja oder wir machen es heimlich (lacht). Aber ja, ich hab noch viel zu lernen, also warum denn nicht?


Machst du das momentan auch online?


Ja genau, alles online.


Morgen erscheint ja deine EP “NDW”, bist du schon aufgeregt?


Ja ich bin sehr aufgeregt! Oder eigentlich freue ich mich einfach! Wir wollten einfach Spaß haben, das haben wir gehabt, hoffentlich haben die Leute, die das hören auch Spaß.


Da gehe ich stark von aus! Mir hat es jedenfalls mega Spaß gemacht, die EP zu hören.


Dankeschön!


Auf der EP hast du dich ja dafür entschieden, ausschließlich “Neue Deutsche Welle” Songs zu covern, woher kam die Idee?


Also ich liebe ziemlich viel von der Neue Deutsche Welle Musik, moderne deutsche Musik ist nicht immer meins, aber Neue Deutsche Welle finde ich einfach herrlich. Ich habe immer das Lied “Eisbär” geliebt und das haben wir live gespielt, weil das recht einfach zu lernen war und wir einfach auschecken wollten, wie ein deutsches Publikum auf diesen Song reagiert. Und die gehen dann einfach wild ab (lacht). Und dann dachten wir „Ok cool, dann nehmen wir das auf”, aber dann kam Corona und wir hatten ein bisschen Zeit, also warum nicht noch ein paar andere Lieder aussuchen und die auch aufnehmen und eine EP daraus machen. Aber nur aus Bock (lacht).


Das sind meistens die besten Projekte, die einfach aus Spaß an der Sache entstehen!


Ja finde ich auch! Ich glaube, wenn ich meine eigene Musik mache gibt es ziemlich viel Druck, das macht auch Spaß, aber es ist ziemlich anstrengend (lacht). Und Lieder zu covern die Spaß machen, ist auch für uns als Band in dieser Zeit einfach schön.

Credits: Jannik Morton-Schneider

Im Interview beim Berlin Culture Cast letztes Jahr, hast du auch schon mal gesagt, dass du Lust hast mal was Richtung Neue Deutsche Welle zu machen. Da hast du aber gesagt, dass das noch in ferner Zukunft liegt, wie kam es, dass das tatsächlich doch jetzt schon passiert ist?


Am Anfang von Corona waren wir alle verwirrt, wir wussten alle nicht was passiert, wie lange das dauert und was das für unseren Job bedeutet. Unser Job ist das, was wir eigentlich nicht mehr haben, ich habe keinen Job mehr. Also klar, Songwriter, Ranger, Producer und so weiter, aber Live spielen, Festivals, Tours, das alles können wir einfach nicht machen. Irgendwann wurde dann klarer und klarer, dass das dauert und, dass wir wahrscheinlich erst 2022 wieder richtig spielen können. Deswegen haben wir gedacht, jetzt wo wir Zeit haben, machen wir das jetzt.


Was war für dich die größte Herausforderung daran die Songs zu covern?


Zwei Sachen. Erstens die Stimmen nachzumachen, weil die so krass singen, das hab ich bei Partys, auf denen ich die Lieder zum ersten Mal gehört hab, noch gar nicht gemerkt. Zum Beispiel Ina Deter singt so aggressiv und machtvoll, oder Peter Schilling singt total creepy flüsternd (lacht). Ich wollte so nah wie möglich an die Lieder kommen. Ich bin kein Deutscher und habe die Lieder nicht tausend Mal gehört, ich wollte nichts Neues draus machen, sondern ich will lieber das ehren, was da gemacht wurde. Also die Stimmen zu lernen war krass und so viel deutsch zu singen auch. Major Tom war auch eine riesige Herausforderung, dieses Lied ergibt gar keinen Sinn, kein Part davon. Es klingt als ob es Sinn ergibt, aber wenn man es ein bisschen näher beobachtet, dann kann man es nicht verstehen. Also vertrauen, Daumen drücken und das Beste daraus machen. Und ich bin so happy, dass das geklappt hat, bei den ersten Mixes hab ich gedacht „Puh, wir haben es geschafft!”. Davor hatte ich keine Ahnung ob wir es geschafft haben oder nicht, weil das Lied einfach crazy ist.


Bei Major Tom hab ich mich mega gefreut, als ich gesehen hab, dass ihr den gecovert habt.

Ich glaub so wird es vielen Leuten gehen, weil dieser Song so unfassbar bekannt ist. So ein bisschen wie das 1000 und 1 Nacht Cover von Drangsal, es macht einfach Spaß das nochmal neu zu hören!


Ja genau!


Also hattest du schon Angst, den Originalen nicht gerecht werden zu können?


Bei Major Tom schon! Also ich hab mir nie gedacht, dass ich so gut bin wie Ina Deter, oder, dass ich das besser mache als Grauzone. Aber ich habe gedacht, dass ich die Lieder auf jeden Fall auf meine Art und Weise gut machen kann. Bei Major Tom hatte ich keine Ahnung ob es klappt, bis es fertig war. Aber ich bin glücklich damit und die die es Hören hoffentlich auch!


Inwieweit Corona den Aufnahmeprozess verändert oder eingeschränkt?


Das war auch krass, weil wir Eisbär vor der Pandemie aufgenommen haben und da konnten wir live aufnehmen. Wir wollten eigentlich alle live aufnehmen. Das konnten wir mit Eisbär, aber mit den anderen nicht mehr. Also wir mussten das live Gefühl rüber bringen, ohne zusammen aufnehmen zu können. Das war auch krass, einfach Files an den Gitarrist zu schicken und keine Ahnung zu haben was zurück kommt. Schlagzeug und Bass, also Max und Paul haben wir zusammen aufgenommen, weil es drei verschiedene Räume gab, da konnten wir die Rythm Section aufnehmen, da konnte ich dann Produzent sein. Aber sonst war es nur warten bis die Leute mir Backing Vocals und so weiter geschickt haben. Aber ich hab manchmal auch nur Single Takes genommen, also manchmal habe ich die Synthies nicht so perfekt eingespielt, aber so gelassen, weil ich diesen live Vibe rüberbringen wollte. Auch beim Singen habe ich Single Vocal Takes gemacht, außer bei den Refrains von Major Tom, weil ich meine Stimme da gestapelt hab.


Habt ihr das Musikvideo für Eisbär dann auch schon vorher gedreht, oder ist das während Corona entstanden?


Während Corona! Wir haben Eins nach dem Anderen im selben Raum aufgenommen. Ich hatte also auch keine Ahnung was die Anderen machen, ich bin reingekommen, habe vor der Kamera gesungen, bin wieder gegangen und dann kam der Nächste (lacht). Erst als ich die erste Version davon bekommen hab, habe ich gesehen was für ein Konzept das war (lacht). Aber mir wurde gesagt, dass das nicht rüber kommt, als ob es einzeln aufgenommen wurde.


Ne, überhaupt nicht! Also ich hätte dir jetzt auch geglaubt, wenn du mir gesagt hättest, dass ihr das vor Corona gedreht habt.


Genau, da hab ich Jannik und Jenny zu danken, weil die das Alles so geplant haben, dass es nicht wie ein Corona Video aussieht.


Du hast dich lange Zeit in deinem Leben vor allem mit klassischer Musik beschäftigt und die Faszination für Pop kam dann erst ab deinem 16. Lebensjahr, richtig?


Ich würde 19 oder 20 sagen!


Ach krass, okay! Was genau war es denn dann, was dich daran so fasziniert hat, dass du sogar selbst Musik in diesem Genre machen wolltest?


Also ich liebe immer noch klassische Musik und das ist auch immer noch meine Welt, das ist meine Vergangenheit. Aber als ich so 19/20 war, war ich auch ein bisschen Teenager. Meine Freunde hatten Bands und ich hab gesehen, dass man auf Konzerten trinken konnte, das passiert in der Philharmonie nicht (lacht). Man konnte tanzen, reden, jubeln, schreien, das hat super viel Spaß gemacht! Ein Mal war ich auf einem Konzert und mein Kumpel hat gesagt „Lass uns mal auf die Bühne springen!”, und dann sind wir auf die Bühne gesprungen (lacht). Also er kannte die Band, das war nicht so krass, aber wir haben dann ein Mikro genommen und den Refrain zusammen gesungen. Dann hat mich noch ein Kumpel gefragt ob ich Violine auf der Bühne spielen will und man hat gesehen, dass die Leute abgehen. Bei klassischer Musik sitzt man, bis die Stunde vorbei ist, alle drei Teile von Concierto, kein Klatschen dazwischen und am Ende gibt es dann ein bisschen Applaus. Es hat also Spaß gemacht, dass die Leute sofort da sind, man kann die Gesichter sehen, die singen mit und so weiter. Dann habe ich langsam angefangen Lieder zu schreiben und zu sehen ob ich das auch machen kann.


Du hast ja schon an einigen Orten auf der Welt gelebt, hast du das Gefühl, dass diese Orte auch jeweils Einfluss auf deine Musik genommen haben?


Ja unbedingt! In England war meine klassische Jugend, Kanada war meine Indie, Grunge, Pop, Rock Zeit und Berlin war und ist, wo ich Platz und Zeit habe, daraus das zu machen, was ich will. Also ich mache kein Techno, ich bin nicht in dieser Art und Weise von Berlin beeinflusst worden, aber hier kann ich meine eigene musikalische Welt basteln.


Hast du denn vor irgendwann nochmal irgendwo anders zu leben?


Ich würde gerne längere Zeit in Italien verbringen, das will ich unbedingt (lacht)! Ich war mehrmals in Italien, auf Tour oder auch mit Familie, das war immer wunderschön. Und letztes Jahr war ich in irgendeinem Dorf, weil eine Freundin von mir dort ein Stipendium hatte und ich bin jetzt verliebt in diesen Ort, ich lerne italienisch und ich will mehr Zeit da verbringen (lacht).

Viele Musiker*innen ziehen ihre Inspiration ja vor allem aus der Musik, die sie in ihrer Freizeit hören. Du hast mal erzählt, dass du selbst privat eigentlich kaum Musik hörst, was ist dann das wo du Inspiration für dich heraus ziehst?


Ich bin nicht Leonard Cohen, aber eins meiner Lieblingszitate von ihm ist, als er gefragt wurde, wo er seine Inspiration findet und er gesagt hat: „I don’t know, if I did, I would go there more often.”. Ich glaub das ist auch das Ding bei mir, ich brauche viel Ruhe und Stille um Inspiration zu haben. Wenn ständig Musik läuft, dann habe ich diese Zeit für mich nicht, weil es nur rein geht, aber nicht raus kommt. Manchmal kommt von einer Lebenssituation eine Geschichte die ich erzählen will und manchmal ist einfach eine Hook oder eine Topline in meinem Kopf, wenn ich in der Dusche bin (lacht). Aber ich höre fast keine Musik, weil ich diese Zeit und den Platz brauche und es ja auch mein Job ist. Dann ist es ein bisschen nervig, wenn man den ganzen Tag einen Job macht und dann abends auch diesen Job macht.


Du warst ja letztes Jahr zusammen mit Casper im Studio und hast soweit ich weiß mit ihm an seiner neuen Platte gearbeitet.


Genau!


Kannst du schon verraten inwiefern du daran beteiligt bist?


Das kann ich ein bisschen verraten! Aber wegen Corona ist das alles auch schwierig, es gab viele Pausen beim Produzieren und Pläne die durchgefallen sind, also wann das raus kommt, was das wird und so kann ich nicht sagen.


Nein, das ist ja klar!


Aber ja, das war cool! Also Ben hat einen Haufen von Musikern mit verschiedenen Talenten für eine Woche ins Studio geholt. Und ich habe auch außerhalb dieser Woche ein bisschen arrangiert. Ich bin ein bisschen für Toplines zuständig, oder für Violinen Arrangements, oder für Synthie Arrangements, ich durfte eigentlich machen worauf ich Bock hatte.


Ach cool! Also habt ihr quasi einfach alle zusammen ein bisschen Musik gemacht?


Ja genau, also dieses Studio war richtig groß, jeder hatte ein Zimmer für sich. Und dann konnten wir einfach zu den anderen rennen und sagen „Ich brauche Saxophon!”, und der zu mir „Ich brauche Violine!”. Dann konnten wir einfach den ganzen Tag zusammen jammen und Ideen ausdenken.

Die Frage ist natürlich was dann am Ende dabei raus kommt, aber hoffentlich was Geiles!

Credits: Jannik Morton-Schneider

Da bin ich sicher! Was sind denn deine weiteren Pläne für 2021, nachdem du die EP veröffentlicht hast?


Man kann keine Pläne machen, das hab ich gelernt. Also wenn wir Glück haben, bringen wir dieses Jahr eine Platte raus, wahrscheinlich ungefähr im Oktober. Das ist der Plan, also wir sind dafür bereit, aber wie du wahrscheinlich weißt, ist es unheimlich schwierig eine Platte rauszubringen, ohne live spielen zu können. Ohne Konzerte, Festivals, Fernsehauftritte oder Radio Interviews, ist es sehr schwer ein Album zu pushen. Deswegen müssen wir warten, bis wir auf Tour gehen können und wenn das dieses Jahr nicht klappt schreibe ich immer weiter und dann kommen wir mit vier Platten auf einmal raus (lacht). Aber ich hoffe hoffe hoffe, dass wir Ende diesen Jahres eine Platte rausbringen können!


Ich hab jetzt noch ein paar, teilweise sinnvolle, teilweise weniger sinnvolle entweder/oder Fragen, falls du da Lust drauf hast!


Yes!


Pop oder klassische Musik?


Klassische Musik!


Hunde oder Katzen?


Hunde!


Zitronen oder Pfirsicheistee?


Pfirsich!


Sehr gute Antwort! Kanada oder England?


Kanada!


Britney Spears oder Christina Aguilera?


No.


Wärst du lieber blind oder lieber taub?


Oh my goodness! Ich hab neulich gehört, Fact! Ich hab neulich gehört, dass die die taub sind, es schwieriger haben, als die die blind sind. Natürlich ist das ne persönliche Sache, aber ganz im Groben ist es schwieriger Taub zu sein, habe ich gehört. Also dann lieber blind!


Als Musiker wahrscheinlich auch tatsächlich die bessere Wahl!


Genau! Aber weil ich Stille und Ruhe so mag, wärs vielleicht auch nicht schlecht (lacht).


Lieber die große Liebe finden oder immer wieder frisch verliebt sein?


Große Liebe bitte!


Lieber Konzerte oder Festivals spielen?


Das ist so schwierig, das sind zwei ganz verschiedene Sachen! Aber Konzerte!

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